Amazon hat bestätigt, dass es nicht versuchen wird, Daten aus den AWS-Rechenzentren in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten wiederherzustellen, die beim jüngsten Iran-Konflikt durch Drohnenangriffe zerstört wurden. Betroffene Kunden werden unmissverständlich auf ihre eigenen Backups verwiesen. Ein Teil dieser Daten ist für immer verloren.
Die naheliegende Lehre kennt jeder bereits: eine eigene Backup-Strategie haben und sich nicht vollständig auf die Resilienzversprechen eines Anbieters verlassen. Darunter liegt aber eine weniger offensichtliche Lehre, und bei ihr lohnt es sich zu verweilen.
Das war kein Hardwareausfall und kein Softwarefehler. Es war ein Rechenzentrum in einer aktiven geopolitischen Konfliktzone, ausgewählt — wie die meisten Rechenzentrumsstandorte — vor allem wegen Kosten, Anbindung und regulatorischer Bequemlichkeit, nicht wegen geopolitischer Stabilität. In normalen Zeiten ist das eine rationale unternehmerische Entscheidung. Sie hört auf, rational zu sein, sobald die „normalen Zeiten“ enden, und per Definition kann man nicht wählen, wann das geschieht.
Genau diese Art von Abhängigkeit sollen die Lieferkettenanforderungen von NIS2 sichtbar machen: nicht nur „Ist dieser Anbieter sicher?“, sondern „Wo steht die Infrastruktur dieses Anbieters tatsächlich, und was passiert mit uns, wenn dieser Standort ausfällt — aus welchem Grund auch immer, nicht nur wegen eines Cyberangriffs?“ Digitale Souveränität wird gern als rechtliche oder politische Frage gerahmt, im Kern ist sie aber viel einfacher: Geht Ihr Business-Continuity-Plan von einer stabilen Welt aus, oder berücksichtigt er die Welt, in der wir tatsächlich leben?
Eine lohnende Frage zur eigenen kritischen Infrastruktur, in der Cloud oder anderswo: Wenn die Region, in der sie gehostet wird, morgen nicht mehr erreichbar wäre, würden Sie es von Ihrem Anbieter erfahren oder aus den Nachrichten?
Passend dazu: NIS2-Lieferantenrisiko-Checkliste (kostenlos · 10 Fragen · 5 Minuten)
Stand der Recherche: 16. September 2026 — Regulatorik entwickelt sich dynamisch; dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechts- oder Fachberatung.
